Bericht des Fachbereiches Religion für das Schuljahr 2012/2013

Die ganze Welt hielt den Atem an. Zehntausende harrten am Petersplatz und Hunderte Millionen Menschen an den Bildschirmen. Und dann der weiße Rauch. Jubel brach los, nicht nur am Petersplatz. Habemus Papam – Wir haben einen Papst – Die Spannung wächst, wer wird es sein? Kaum jemand hatte mit diesem Namen gerechnet Jorge Manuel Bergoglio, ein Argentinier. Noch mehr aufhorchen ließ der Papstname, den sich dieser Jesuit aus der lateinamerikanischen Welt gab: Franziskus!

Noch keiner der Päpste, seit der Arme aus Assisi heiliggesprochen wurde, hatte offenbar gewagt, sich den Herausforderungen dieses Namens zu stellen. Dass dieser sich seiner Namenwahl voll bewusst war, zeigte sich schon bei seinem ersten Auftreten auf der Loggia des Petersdomes. Nicht mit dem schon üblichen höfischen Zeremoniell und wie in der Vergangenheit vielfachen feudalen Gesten, sondern mit einem bescheidenen herzlichen bona siera begrüßte er die Menschen. Bevor er den Wartenden seinen päpstlichen Segen erteilte, bat er die Menschen zuerst für ihn den Segen Gottes zu erbitten. Noch viele dieser kleinen Zeugnisse folgten, was die Hoffnung im Volk Gottes nährt, dass sich mit diesem Papst wieder etwas im Leben der Kirche verändern könnte.
Schon der außergewöhnliche Akt seines Vorgängers Papst Benedikt vom Amt des Papstes zurückzutreten läutete einen Umbruch ein. Mit diesem Akt wird Papst Benedikt in die Geschichte eingehen.
Im letzten Jahresbericht habe ich die Starre der Kirche beklagt und dass im Zeichen des 50. Jubiläums des 2. Vatikanischen Konzils die Kirche weiter denn je von den Gedanken und der Aufbruchsstimmung die damals herrschte entfernt war.
Mit dem neuen Papst Franziskus wird, so hoffe ich, das von Papst Johannes XXIII. geforderte „Agiornamento" wieder neu belebt. Die Kirche muss authentischer werden. Das geht nur über Menschen, die als Autoritäten wahrgenommen und ernst genommen werden. Die Basis des Christentums ist immer noch das Leben und die Lehre Jesu. Mittelpunkt ist nicht die knechtliche Erfüllung eines Gesetzes, sondern die Erfüllung dieses Gesetzes.
Es ist diese befreiende Botschaft, getragen von der Barmherzigkeit die das Christentum, die Kirche(n), durch die Jahrtausende trug. Das Christentum ist genau betrachtet keine Religion, es ist ein eu angelion, eine frohe Botschaft.
Franziskus hat das vorgelebt und vor tausend Jahren die Kirche und das Papsttum bloß gestellt. Sein Leben orientierte sich an der radikalen Botschaft Jesu für die Armen. Sein Vorbild ist heute noch wegweisend für viele Menschen guten Willens. So zeigt sich in der langen Zeit der Kirche dass die „Vor - Bilder", die Mystiker, die sich um die Menschen aufopfernden und weniger die Theologie über die Jahrhunderte die Kirche trugen.
Wer heute jungen Menschen mit einer Botschaft gegenübertritt, nicht nur Personen, auch Institutionen muss zuallererst authentisch sein. Muss zeigen, dass er (sie) bereit ist auch selbst diese Botschaft zu leben.
Besonders junge Menschen sind hier sehr sensibel. Da helfen keine noch so intelligenten Lehrsätze, keine Imperative, das Beispiel, und das Vorbild zählen.

Aus dem täglichen Leben des Religionsfachbereiches

Tagtäglich bemüht sich an der Berufsschule Neumarkt ein engagiertes Team aus Religionslehrerinnen und Religionslehrern beider Konfessionen um einen guten erfolgreichen Religionsunterricht.
Der Katholische Religionsunterricht an unserer Schule wird von 7 Lehrerinnen und Lehrern erteilt. Zwei von ihnen sind im kirchlichen Dienst und Vollzeit im Fach Religion beschäftigt. Die übrigen Lehrerinnen und Lehrer erteilen Religionsunterricht im Nebenfach und sind mit einer Stundenzahl zwischen 4 und 10 Stunden Religionsunterricht pro Woche eingebunden.
Insgesamt waren in diesem Schuljahr 92 Wochenstunden an katholischer Religion zu halten. Wobei bei den Blockklassen statt der vorgeschriebenen 3 Stunden nur zwei erteilt wurden, und bei der 13. Jahrgangsstufe hat man auf den Religionsunterricht gänzlich verzichtet. Sollte sich das Religionslehrerangebot verbessern, sind wir bestrebt, auch diesen fehlenden Unterricht einzubringen.
Für den evangelischen Religionsunterricht waren zwei kirchliche Mitarbeiterinnen in das Team eingebunden. Es wurden inklusive der Außenstelle Mühlbach insgesamt 15 Stunden evangelischer RU erteilt. Ethik wird parallel zum evangelischen RU an jedem Wochentag für 2 Stunden angeboten. Den Ethikunterricht teilen sich 4 Lehrkräfte. Es ist schön, dass daraus ein festes Team geworden ist, das regen Austausch mit den Religionslehrern pflegt.

Über den Unterricht hinaus führt die Religionsabteilung weitere Aktionen durch, die die Sensibilität der Schüler für den Wert der Mitmenschlichkeit stärken sollen. Seit vielen Jahren beteiligt sich die Berufsschule an der Straßensammlung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräber e.V. Diese Aktion wird in Zukunft nur jedes 2. Jahr bedient. Ein sehr wichtiges Projekt der Berufsschule Neumarkt ist seit Jahren die Unterstützung des Kinderhospizes St. Nikolaus im Allgäu geworden. Nicht nur der finanzielle Beitrag, der heuer, wie die letzten Jahre, wieder ca. 2000 € betragen wird, ist uns hierbei wichtig. Wir können jungen Menschen den Wert des Lebens, gerade des kranken und behinderten Lebens, anschaulich nahe bringen und ihrer Solidarität einfordern, mit dem Ziel Compassion (Mit – Leiden), Solidarität und Barmherzigkeit als menschliche Grundhaltung nachhaltig zu festigen.
Das „Schulinterne-Krisen-Interventions-Team" SIKIT traf sich im letzten Herbst, um eventuell prekäre Situationen, die an einer Schule entstehen können, zu besprechen, um im Notfall vorbereitet zu sein.
Alljährlich bemühen sich die Religionslehrer um ansprechende Anfangs- und Abschlussgottesdienste, die sie in ökumenischer Weite durchführen. Positive Rückmeldungen von verschiedenen Seiten bestärken sie in diesem Bemühen nicht nachzulassen. Hier darf ich den beiden Geistlichen H. Pfr. Eyselein aus Pyrbaum und H. Pater Amadeus Buchzyk aus Freystadt besonders herzlich für ihr Engagement und ihren Einsatz danken; vor allem auch für die Zeit, die sie sich zusätzlich mit Vertretern der Religionsteam für eine intensive Vorbereitung und Planung nehmen.

Zum Schuljahresende 2011/12 haben die Kolleginnen und Kollegen der Religionsabteilung über die konfessionellen Grenzen hinweg eine Wallfahrt nach Freystadt in die Marienwallfahrt begangen. Dort gestalteten die KollegInnen eine Vesper. Pater Amadeus erklärte die schöne barocke Wallfahrt – ein wahrer Schatz – und führte das Team dann durch die Räumlichkeiten des Klosters. Mit ihm wirken dort noch 4 Brüder und Patres aus dem Franziskanerorden. Dieses schöne Unternehmen fand seinen gemütlichen Ausklang bei einer „Agape" im Gasthaus in der Stadt.
Herzlichen Dank dem Schulleiter Albert Hierl und der restlichen Schulleitung, die sich unserer gemeinsamen Sache eng verbunden wissen, den Hausmeistern und den Damen des Sekretariats, die uns allzeit gerne behilflich sind.
Den Kolleginnen und Kollegen darf ich an dieser Stelle danken für ihren überaus engagierten Einsatz in einem nicht immer einfachen Metier. Für die Zukunft wünsche ich bon curage - guten Mut – auch wenn die Kirche nicht mehr die Position einnimmt, wie noch vor Jahrzehnten, für die Aktualität der Botschaft Jesu und deren Zukunftsfähigkeit, ist mir nicht bange und auch nicht von der Begeisterung der Religionslehrer.
Sie wissen sich getragen vom Geist Jesu: „Wir können nicht schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben."

Johann Rupp, StD
Fachbetreuer Religion

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