Dichterlesung 2009

Dichterlesung im Herbst: Marianne Ach

Die schon traditionelle Herbst-Lesereise heimischer Autoren führte im November die Schriftstellerin Marianne Ach an unsere Schule. In der Oberpfalz geboren, lebte sie als Kind in einem abgelegenen Marktflecken nahe der Zonengrenze. Mit dreizehn ließ sie dessen Enge hinter sich, jedoch nur, um ihre Jugend dann hinter dicken Klostermauern zu verbringen. Hier war sie als Kindergärtnerin und Katechetin tätig. Wieder ging sie, studierte in München und arbeitete dort bis zu ihrer Pensionierung als Lehrerin. Um sich ihre Erfahrungen und Erinnerungen ‚von der Seele zu schreiben', begann sie Erzählungen zu verfassen, dann Romane.
Aufgrund des großen Interesses in den letzten Jahren wurden diesmal zwei Lesungen durchgeführt. So konnten fünf Klassen die Lesung besuchen: BZI 11, DBFH 11 von der Außenstelle Mühlbach, MKM 10a, WIN 11a und WIN 12b, insgesamt über hundert Zuhörer. Auch dieses Jahr wurde die Veranstaltung vom Friedrich-Bödecker-Kreis in Bayern großzügig gefördert.

Nein, leichte Unterhaltung bieten Marianne Achs Bücher nicht, denn heile Welt oder verklärende Nostalgie sind nicht ihre Sache. Ihre Geschichten handeln zwar in Bayern, kommen aber ohne jeden krachledernen Heimatkitsch aus. Diese Schriftstellerin beschreibt in ihren Romanen nicht die Schönheit der heimischen Natur, sondern seziert darin die menschlichen, oft genug unmenschlichen Beziehungen ihrer Bewohner. Kühl und emotionslos deckt die Autorin die kleinen und großen Gemeinheiten auf, die Verwandte oder Nachbarn in Dorf und Stadt einander antun, macht Gleichgültigkeit und Kälte fühlbar, die mitleidlose Grausamkeit der Menschen untereinander. Dies alles geschieht in knappen, harten Worten und mit klaren, schnörkellosen Sätzen. Ihr fast spröder Stil macht die Sprache noch eindringlicher, packt den Leser oder Hörer schon nach wenigen Zeilen.

Marianne Ach las aus ihrem aufwühlenden Roman ‚Der Blechsoldat'. Dieser zweite Band ihrer Trilogie erzählt das harte Schicksal des kleinwüchsigen, schielenden Mädchens Margarete. Ihre Mutter, vom Dienstherrn erst missbraucht und dann zur Abtreibung gedrängt, bringt das Kind zwar dennoch zur Welt, wird aber hernach mit der ‚Schande' nicht fertig und gibt den ‚Bankert' in ein Heim. Dort gerät Margarete mit den übrigen kranken Kindern in unmittelbare Lebensgefahr, denn nach der Rassenideologie der Nazis muss solch ‚unwertes Leben' ausgemerzt werden. Anders als viele ihrer Leidensgenossen kann Margarete durch die Hilfe selbstloser Menschen und mit viel Glück überleben. Dieses erschütternde Einzelschicksal brachte den Jugendlichen den menschenverachtenden Wahnsinn der Euthanasie während des Dritten Reiches beklemmend nah und beeindruckte sie tief.

Anschließend demonstrierte die Autorin den Schülerinnen und Schülern, wie schwierig es sein kann, das Äußere eines Buches ansprechend zu gestalten. So habe sich für die Neuauflage des ‚Blechsoldaten' ein Kunstprofessor aus Wiesbaden bereitgefunden, seinen Studenten im Seminar die Aufgabe zu stellen, für dieses Werk Illustrationen nach eigenen Ideen zu entwerfen. Die entstandenen Kohle- und Bleistiftzeichnungen zeigte die Schriftstellerin dem Publikum jetzt auf Folien. Die Zuhörer verwandelten sich dadurch in Zuschauer, die jedes Bild nach eigenen Vorstellungen interpretieren konnten. Dabei wurde schnell klar, wie unterschiedlich und vielfältig Betrachter diese Zeichnungen deuten können. Auch der Autorin und dem Verleger seien Beurteilung und Auswahl keineswegs leichtgefallen, meinte Frau Ach schmunzelnd. Gemeinsam habe man versucht herauszufinden, welcher Entwurf am besten das ausdrückt, was der Text in Worten beschreibt. Ebenso sei die Gestaltung des Schutzumschlages ausgiebig diskutiert worden. Denn dieser müsse zum einen werbewirksam, d.h. verkaufsfördernd gestaltet sein und zum anderen doch auch in enger Beziehung stehen zum Inhalt des Buches. Für das weiße Kreuz vor dem Hintergrund eines rostigen Blechs habe man sich entschieden, um die zentrale Rolle zu charakterisieren, die der christliche Glaube in diesem Buch spielt. Sie selbst brauche durchschnittlich ein rundes Jahr, so Frau Ach, um den Text eines (gar nicht so umfangreichen) Romans zu schreiben. Fast ebenso lang dauere es dann noch einmal, bis das Buch endlich im Schaufenster liege.

Die Schülerinnen und Schüler spendeten der Autorin für diese besondere ‚Deutschstunde' kräftigen Applaus. Ebenso dankte der Fachbetreuer Frau Ach herzlich, auch im Namen der Schulleitung. Damit ihr eine Erinnerung an diese gelungene Veranstaltung bleibe, überreichte er eine von Schülern der Schreinerklassen angefertigte Buchstütze. Offensichtlich hat sie sich darüber sehr gefreut.

M. Kranzler, StD

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